Allgemein · Hund kommt zur Katze · Hundeerziehung · Therapieansätze

8 Monate Sally – Ein Resümee zur Mehrhundehaltung.

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[Werbung, unbeauftragt. – Dieser Post enthält eine Erwähnung zu einem Buch und Prdouktmarkierungen.]

Sally ist Ende Januar bei uns eingezogen und hat seit dem wirklich alles verändert. Mittlerweile macht es für uns keinen Unterschied mehr ob ein oder zwei Hunde im Haus, aber zu Beginn war Sally eine richtige Herausforderung.

Als Harzer Fuchs ist Sally sehr sensibel und feinfühlig – im Tierheim also völlig fehl am Platz. Sie fiel dort sehr auf, da sie wahnsinnig energiegeladen und quirlig war. Harzer Füchse sind sehr dynamische und dennoch sensible Hunde, die bei falscher Haltung und zu wenigen Ruhephasen zu Hyperaktivität und Übersprungshandlungen neigen. Sallys Wesen entwickelte sich in einem 2m² großen Zwinger natürlich nicht so gut. Zu dem sind Harzer Füchse sehr laut, sie bellen gerne und viel, meist quietschen sie sogar vor Freude. Auch das machte sich im Tierheim nicht besonders, beliebt machte es sie dort auch nicht.
Als wir uns im Januar in Sally verliebten, war sie bereits über drei Monate im Tierheim. Sie wirkte auf uns sehr unbeholfen und noch gar nicht richtig ausgewachsen. Sie war zwar sehr neugierig, erfreulich aufgeschlossen, dennoch wirkte sie sehr nervös und reizüberflutet. Wir sollten Recht behalten. Sally wuchs bei uns noch stolze 7 cm und entpuppte sich als Angsthund. Somit war sie vielleicht ein Jahr alt, als sie zu uns kam und nicht richtig sozialisiert.


Das erste Kennenlernen zwischen Jack und Sally fand noch im Tierheim statt. Da sie als schwierig im Umgang mit anderen Hunden galt, war es unabdingbar Jack mitzubringen und die beiden vor Ort zusammen zu führen. Jack hat ein wundervolles Sozialverhalten, ist sehr zurückhaltend, dennoch selbstbewusst. Er ist liebevoll im Umgang mit anderen Hunden, auch mit Welpen. Bereits im Tierheim wurde er gerne und viel im Gruppenzwinger gehalten, da er dort als Vermittler fungierte. Deshalb wünschten wir uns für ihn auch einen Zweithund. Außerdem war es schon immer mein Traum mehrere Hunde um mich zu haben.
Das Kennenlernen mit Sally lief super. Die beiden beschnupperten sich, liefen einmal gemeinsam im Kreis und damit war die Sache erledigt. Bereits nach dem ersten gemeinsamen Spaziergang wollte Jack nicht mehr ohne Sally. Zu Hause angekommen war auch alles in Ordnung. Jack verteidigte weder sein Revier, noch fühlte er sich von Sally eingeengt.


Die erste Begegnung mit Katzi lief auch sehr entspannt. Katzi war zunächst etwas beleidigt, dass wir ihr noch so ein großes Tier angeschleppt hatten, aber Angst zeigte sie keine. Wir zeigten Sally ihr neues zu Hause und ließen sie in Ruhe ankommen. Deshalb schlief ich die erste Woche mit ihr im Gästezimmer und mein Mann mit Jack und Katzi wie gewohnt im Schlafzimmer, damit sich für die beiden nicht Schlag auf Schlag alles änderte.

Da ich mehr Erfahrungen mit Hunden habe und als Freiberuflerin frei nehmen konnte, war es nun meine Aufgabe Sally kennen zu lernen. Da ich nicht wusste, was mich mit ihr erwartete, stand ich jeden Morgen um 5 Uhr auf und machte mich zunächst nur mit ihr auf den Weg. Um ehrlich zu sein, es war katastrophal und ich war zu Beginn mehr als überfordert. Ich versuchte es mit Jack zusammen, damit sie einen starken Partner an ihrer Seite hat, aber auch das wollte zunächst nicht besser werden. Sally war wie die Axt im Walde. Es schien, als würde sie weder Geschirr, noch Leine, noch das Spazierengehen an sich kennen. Sie hatte vor allem Angst. Sie schrie und quiekte bei jedem sich bewegenden Reiz. Teilweise war sie durch die Eindrücke so überfordert, dass sie stehen blieb, schrie und nicht mehr weiter wollte. Es half nichts, außer sie heim zu tragen, aber das kannte ich bereits von Jack. Da Jack sich aber hier auf dem Dorf zu so einer ruhigen Persönlichkeit entwickelt hatte, hatte ich all die Arbeit und Strapazen, die es mich gekostet hatte um an diesen Punkt zu kommen, vergessen. Ich versuchte mich daran zu erinnern, dass eine Entwicklung eines traumatisierten Hundes Zeit braucht. Die wichtigste Zutat für Erfolg sind hier Ruhe und Geduld. Auch wenn die Nerven mal blank liegen: kein Hund verhält sich so mit Absicht. Er weiß es einfach nicht besser, ist überfordert und die angestaute Energie muss irgendwie aus dem Körper entweichen. Deshalb äußern sich Hunde dann mit Übersprungshandlungen, wie starkem Verbellen aus dem sie kaum heraus zu holen sind.
Was bei Sally sehr auffällig war, war das unglaubliche Ziehen an der Leine. Obwohl Sally noch kleiner und leichter als Jack war, hatte ich Probleme sie zu halten. Sie zog nicht aus Respektlosigkeit, oder, weil sie mich testen wollte, sondern, weil sie mit allem überfordert war. Die ersten Wochen war sie bei Spaziergängen kaum ansprechbar, sie hechelte ununterbrochen, es bildete sich Schaum an ihren Lefzen, wohlgemerkt im tiefsten Winter, sie zitterte, klemmte die Rute ein und schaute verwirrt hin und her.


Nach drei Wochen schmerzte mein Körper, ich war übermüdet und Sally kein Stück weiter. Ich musste meine Taktik ändern. Ich wusste, dass es Zeit brauchte um eine Bindung zu Sally aufzubauen. Sie musste Lernen mir zu vertrauen und das kann dauern. Trotzdem benötigte ich etwas mehr Input, um auch meine Nerven zu beruhigen. Ich stürzte mich in Literatur zu ängstlichen Hunden und stieß auf den Tipp des Jahrhunderts. Martin Rütter empfiehlt in einem seiner Bücher¹, vor allem mit “Secondhand Hunden” die sehr ängstlich sind, vorerst gar nicht spazieren zu gehen. Er empfiehlt den Hof nicht zu verlassen, nur an der Bindung zu arbeiten und langsam mit kleinen Trainingseinheiten im Garten zu beginnen. Wie froh war ich nun auf dem Lande zu leben, mit großem Garten. Denn dieser Tipp war unsere Rettung. Ich verlangte erstmal gar nichts mehr von Sally. Ich versuchte sie kennen zu lernen, versuchte Körpersprache und Verhalten zu deuten. Ich gab ihr Zeit Jack, Katzi, mich und die Familie kennen zu lernen. Sie musste zur Ruhe kommen, Vertrauen fassen und einfach Hund sein. Wir verbrachten die meiste Zeit auf dem Hof, kuschelten viel, ließen Sally unglaublich viel Schlafen und trainierten Grundlagen erstmal nur im Garten. Wir nutzten Wochenenden um Ausflüge an geschützte Orte wie den Forst zu machen, um dort laufen zu gehen und zu erkunden.

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Der Frühling kam und Sally machte immer mehr Fortschritte. Sie wurde immer ansprechbarer, konnte Dinge, die auf dem Hof funktionierten zunehmend auch draußen anwenden, ihre Individualdistanz für Menschen, Fahrradfahrer, fremde Hunde und auch Autos wurde zunehmend kleiner, auch das Gruppengefühl unter den Hunden wurde immer besser. Denn zu Beginn war die Gruppendynamik sehr schwierig. Jack war häufig von Sally genervt und wenn sie bellte, sprang er sofort in doppelter Lautstärke mit ein. Man hatte teilweise das Gefühl, dass durch das verstärkte Augenmerk auf Sally, Jack alles verlernt hatte, was wir ihm beigebracht hatten. Deshalb führten wir wieder mehr Einzelrunden ein, damit auch Jack die ihm gebührende Aufmerksamkeit bekam.

Im Sommer schlug bei Sally die Pubertät zu. Durch den starken Wachstum, den Fellwechsel und die Hitze war sie sowieso schon nicht mehr Herrin ihrer Sinne. Sie testete vor allem bei Jack immer mehr Grenzen aus und es kam auch vermehrt zum Streit. Ja, wenn man mehrere Hunde hält, ist nicht immer alles Friede Freude Eierkuchen. Ich musste Sally klare Grenzen zeigen. Sie schien die Kommunikation unter Hunden noch nicht richtig verstanden zu haben, wusste nicht wann Schluss ist. Sie konnte Signale nicht richtig deuten, überging diese, bis auch Jack genug hatte. Sally verstand aber sehr schnell, dass ich hier die Oberhand habe. Auch wenn sie bis heute Jack manchmal eine Ansage machen will, so komme ich, weiß sie, dass Ruhe ist. Dieses Verhalten zeigte mir aber auch, dass sie zunehmend an Selbstbewusstsein gewann, zumindest auf ihr bekanntem Territorium.

 

Sally und Katzi sind so eine Geschichte für sich. Katzi ging mit Sally wesentlich entspannter um, als damals mit Jack. Nach einer Woche war schon alles wie immer und Katzi kuschelt seither viel mit Sally. Allerdings ist Sally etwas wilder und spielwütiger als Jack und hat auch Freude daran mit der Katze zu toben. Meist gefällt es der Katze nicht, oder Sally weiß nicht wann Schluss ist. Wenn ich dazwischen gehe lässt Sally von ihr ab oder Katzi rennt schnell auf den Dachboden. Das Hinterherjagen konnten wir Sally sehr schnell abgewöhnen. Da kam mir Katzi sehr gelegen, denn das Zusammenleben mit ihr und Sally funktionierte für uns als tolles Impulskontrolltraining. Aber auch über all dies wilde Spielen entwickelte Katzi nie Angst vor Sally, sie verhält sich ihr gegenüber sogar sehr mütterlich. Sie ist ja auch die älteste im Rudel.


Mittlerweile haben wir unseren Rhythmus gefunden. Zu Hause läuft alles super entspannt. Sally ruht genauso wie Jack sehr viel aus und lässt sich daheim kaum aus der Ruhe bringen. Spaziergänge und Laufrunden werden immer ruhiger und entspannter. Es macht endlich wieder richtig Spaß und zwar allen. Sally lernt immer mehr dazu und auch die Begegnung mit Reizen aller Art wird zunehmend entspannter. Sie ist bei weitem noch nicht leinenführig und hat noch mit vielen Ängsten zu kämpfen. Auch Besucher müssen bei uns sehr behutsam das Haus betreten und langsam den Kontakt zu beiden Hunden aufbauen, mit vertrauten Personen ist es aber gar kein Problem. Sally lernt schnell und gerne. Aber es wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen, bis sie uns wirklich blind vertraut und tief im Inneren weiß, hier wird mir nichts mehr passieren. Sie wurde im Herbst, nachts, an den Zaun vom Tierheim angebunden und einfach verlassen. Durch all ihre Ängste und wie sie zusammenzuckt und sich in Ecken kauert, wenn man zum Beispiel einen Besen holt, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie auch körperliche Gewalt erfahren hat. Sally muss diese Welt erst kennenlernen und zu begreifen wissen und ich werde ihr mit meiner Familie dabei helfen.

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Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit.

Ich freue mich über Fragen und Anregungen, gerne als Kommentar unter diesem Post.

Deine Blanka.

¹Rütter, Martin: Angst bei Hunden. Umgang mit ängstlichen und traumatisierten Hunden. Kosmos Verlag. Stuttgart. 2018. S.67ff.

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Allgemein · Ausflüge für Hundefreunde - mit und ohne Hund

Baltic Lights 2018 – Das nördlichste Hundeschlittenrennen Deutschlands 09.-11.03.2018.

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Dieses Jahr waren wir mit dabei! Für ein verlängertes Wochenende tauchen die drei Kaiserbäder der Insel Usedom ein, in den packenden Hundesport. Gemeinsam mit professionellen Mushern, Prominenten Gästen, Musikern und einem traditionellen Biike-Feuer rundet sich die Veranstaltung zu einem unvergesslichen Event ab. Entlang der Strände zwischen den Seebrücken Heringsdorf und Ahlbeck liegt die Rennstrecke. Start und Ziel liegen dabei gemeinsam mit vielen leckeren Imbisswagen, der Bühne und dem Musherdorf in Heringsdorf. Die Location ist perfekt. Restaurants, Hotels und auch öffentliche Toiletten direkt vor Ort, ein breiter Strand und genügend Platz um die Teams im Musherdorf unterzubringen.


Dass sich unter 60.000 Zuschauern und internationalen professionellen Musherteams auch Prominente tummeln, liegt daran, dass Schauspieler und engagierter Schlittenhundsportler Till Demtrøder das ganze als Charity Event für die Welthungerhilfe vor drei Jahren ins Leben rief. Dieses Jahr konnte eine Rekordsumme von 43.000€ gesammelt werden, auch wir haben gespendet.
Leider lag am Wochenende rund um den 10. März kein Schnee mehr, aber dank der Trainingswagen, die auf dicken Ballonreifen den Strand entlang fahren, kann das Rennen dennoch jedes Jahr auf ein Neues stattfinden. Wie aber können Prominente Gäste einfach als Schlittenhundeführer starten? Die Musherteams reisen bereits zum Beginn der Woche an und bekommen ihre Gastfahrer zugeteilt. Dabei ist wichtig, dass die Chemie stimmt. Die Gastfahrer lernen ihren ganz persönlichen Squad kennen. Sie sind beim Füttern dabei, lernen die wichtigsten Kommandos und die Huskys bekommen eine Chance sich an die neuen Stimmen zu gewöhnen.


Ich selbst war vor allem wegen der Profisportler angereist. Die liebevolle, energiegeladene Zusammenarbeit zwischen Musher und seinen Hunden ist überwältigend. Die Bindung zwischen Schlittenführer und seinen Hunden ist unglaublich wichtig. Insgesamt waren 400 Schlittenhunde und ihre Musherfamilien anwesend. Die Teams bestehen meist aus Ehepaaren und ganzen Familien. Alle ziehen an einem Strang, an erster Stelle stehen die Hunde – immer und zu jeder Zeit. Angetreten sind Sibirian Huskys, Alaskan Malamutes und Samojede. Die Squads bestehen aus vier bis zwölf Hunden und treten dabei in ihren jeweiligen Gruppen gegeneinander an. Die meisten Squads bestehen allerdings aus vier bis acht Tieren, wobei ein Hund eine Zugkraft von 250 kg mitbringt. Große Squads müssen am Start von einem Quad abgesichert werden, da die Hunde so aufgeregt und energiegeladen sind, dass es ohne zu einem Fehlstart kommen könnte. Denn die Tiere beschleunigen innerhalb von 15 Sekunden auf 30 km/h.

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Solche Veranstaltungen sind keine Tierquälerei. Denn Schlittenhunde sind Arbeitstiere, sie sind besonders ausgebildet und trainiert, um bei solchen Turnieren teilzunehmen. Ihre Bewegungsfreude und Zugwütigkeit liegen ihnen im Blut. Sicher ist es für einige Besucher seltsam, die Hunde im Musherdorf angekettet zu sehen. Jedoch ist dies einfach zu ihrer eigenen Sicherheit. Jedes Musherteam baut sich seinen eigenen Bereich auf, mit Stroh und Feldbetten für die Hunde, dabei werden sie an einem Bodensystem befestigt, welches ihnen ermöglicht sich zu bewegen und untereinander zu kommunizieren, sie können aber nicht weg laufen oder entwendet werden.  Die Wagen die die Musher verwenden wiegen zwischen 30 kg und 80 kg. Für einen Wagen auf Kufen benötigt der Musher eine Schneedecke von mindestens 10 cm. Schnee ist natürlich für die Hunde angenehmer und besser, da er weniger Widerstand leistet. Allerdings kommen die Musher aus unterschiedlichen europäischen Ländern und somit sind die Tiere das Training auf schneefreiem Boden gewohnt, denn die Tiere werden das ganze Jahr über trainiert.

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Das Musherdorf war eine tolle Gelegenheit sich mit den Musherteams zu unterhalten und auch um den Tieren nahe zu kommen. Dabei muss ich einmal erwähnen, dass es nicht erwünscht ist, seinen eigenen Hund mitzubringen. Auch wenn dieser gut erzogen ist und große Veranstaltungen gewohnt ist, werden die Schlittenhunde, welche häufig mit anderen Hunderassen unverträglich sind, abgelenkt und aufgeregt. Sowohl an der Rennstrecke aber auch im Musherdorf ist es gefährlich seinen eigenen Hund dabei zu führen. Auf der Rennstrecke kann man noch gut Abstand halten und dann eben aus der Ferne beobachten. Für das Musherdorf wird ausdrücklich gebeten die Hunde draußen zu halten. Viele Squads kennen sich schon von anderen Veranstaltungen, deshalb herrscht im Musherdorf untereinander Ruhe. Und genau das brauchen die Hunde zwischen den Rennen auch. Viele Musher sind sehr offen für Fragen und kurze Gespräche, vor allem wenn sich der Renntag dem Ende neigt. Die meisten leben das Hundeschlittenführer-Leben als Fulltime-Hobby und gehen mindestens halbtags in einem anderen Beruf arbeiten. Die meisten Musherteams leben mit einem Rudel von bis zu 20 Schlittenhunden zusammen. Das nenne ich Liebe. Alle Musher kümmern sich wirklich rührend um ihre Tiere.


Die Rennstrecke die man zwischen Heringsdorf und Ahlbeck vorfindet ist 6 km lang. Für viele Profimusher ist das eine sehr kurze Strecke, da sich viele Hundeschlittenrennen über mehrere Tage erstrecken, an denen sie fast non-stop on Tour sind. Natürlich musste die Strecke für dieses Event aber auch an die unerfahrenen prominenten Teilnehmer angepasst werden. Wobei einige prominenten Rennfahrer nicht mehr ganz so unerfahren sind und den Hundesport für sich entdeckt haben sowie Till. Die Strecke startet in Heringsdorf, führt dann nach Ahlbeck, wo ebenfalls Zelte mit Tierärzten und weiterer Unterstützung für die Teams aufgebaut ist. Dort wird eine Schleife gefahren und der Weg führt zurück nach Heringsdorf. Die gesamte Veranstaltung wird von Till moderiert und man kann die Musher auf einem riesigen Screen verfolgen.

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Leider wurde das Event auch durch einen traurigen Vorfall überschattet. Gegner der Veranstaltung hatten die Rennstrecke mit Glasscherben sabotiert und so fast die Gesundheit vieler Hunde zerstört. Zum Glück steht der Tierschutz und die Sicherheit bei den Baltic Lights ganz oben und so wurde die Sabotage sofort entdeckt und noch vor Rennstart beseitigt. Solch unmögliches Handeln ist für mich einfach unverständlich. Doch Veranstalter und Zuschauer ließen sich nicht all zu lange von diesem Vorfall erschüttern und genossen trotz allem das wundervolle Wochenende.

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Mein Mann und ich waren von der Veranstaltung sehr begeistert und planen nächstes Jahr wieder zu kommen, dann aber mit Übernachtung um noch mehr vom Rennen zu erleben. Für alle Tierfreunde ist das Baltic Lights eine gelungene Möglichkeit dem Hundeschlittensport näher zu kommen, ein einzigartiges Erlebnis voller Energie, Spannung und Liebe für den Hund. Allerdings lege ich jedem Hundehalter ans Herz dies als hundefreien Ausflug zu nutzen, da so eine Veranstaltung für alle Hunde großer Stress bedeutet und die Schlittenhunde durch die Anwesenheit von fremden Hunden nur gestört und gestresst werden.

Wenn ihr mehr über die Veranstaltung erfahren wollt, schaut doch auf ihrer Website vorbei: https://www.balticlights.de/

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Viel Spaß!
Eure Blanka.

Allgemein · Hund kommt zur Katze

Sally – Unser neues Familienmitglied

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Sally ist Ende Januar bei uns eingezogen. Bereits seit einiger Zeit dachten wir darüber nach, einen zweiten Hund zu adoptieren. Zum einen will das Herz immer mehr Tiere retten, zum anderen fühlt sich Jack unter anderen Hunden wohl und Menschen gegenüber sicherer.

Wir besuchten also ein Tierheim in unserer Nähe und entdeckten Sally. Auch bei ihr war es Liebe auf den ersten Blick. Etwas ängstlich, dennoch sehr offen und fröhlich begegnete sie uns bei unseren ersten Besuchen. Nach einer Woche brachten wir Jack mit ins Tierheim. Obwohl Sally für „Rabaukenverhalten“ anderen Hunden gegenüber bekannt war, verstanden sich die beiden auf Anhieb. Da war klar: Sally darf mit nach Hause.

Die erste Woche verbrachten wir alle gemeinsam daheim. Ich schlief mit Sally im Gästezimmer, um unserer Katze den nötigen Freiraum zu gewähren und um Sally eine ruhige Eingewöhnung ohne Ablenkungen zu gewähren. Sallys starker Jagdtrieb ließ sie sehr auf Rose reagieren, dennoch war sie ihr gegenüber nie aggressiv, eher verspielt und neugierig.

Bereits nach einer Woche schliefen wir gemeinsam als Rudel in unserem Schlafzimmer. Damals noch mit offener Tür, damit sich alle, wenn nötig, aus dem Weg gehen können. Nun, nach zwei Monaten, ist die Tür geschlossen und die Nächte ruhig.

 

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Sally kam als sehr nervöser und hektischer Hund zu uns. Sie wurde im Herbst des vergangenen Jahres an das Tor des Tierheims gebunden. Ihre Vorbesitzer haben sie dort einfach zurück gelassen. Ihr Verhalten ließ darauf schließen, dass sie wohl nur auf einem Hof ohne Sozialkontakte zu anderen Hunden gehalten wurde. Das Spazierengehen und auch das Zusammenleben mit Menschen schien ihr fremd.
Sie ist sehr sensibel und braucht eine geduldige und liebevolle Führung. Kuscheln möchte sie immer und überall, im Haus und auf dem Hof hat sie sich sehr schnell eingelebt. Familienmitglieder und Freunde empfängt sie mit Neugier und Offenheit. Unsere große Sorge sind die Spaziergänge. Sally reagiert auf fast alles, was sich auf sie zu bewegt mit panischer Angst. Fahrende Autos und fremde Hunde sind die schlimmsten Auslöser. Sie verfällt dann leider in große Panik, fiept, jault, bellt und ist kaum ansprechbar. Mit Hilfe einer Kurzführung halte ich sie in solchen Situationen immer hinter mir und versuche sie zu beruhigen. Auch sonst läuft sie bei Spaziergängen immer neben mir, um ihr Schutz und Sicherheit zu vermitteln und ihre Nervosität zu bekämpfen. Nur beim Joggen darf Sally gemeinsam mit Jack vor mir als Gespann laufen. Dabei ist sie sehr fokussiert und kann sich entspannen. Bereits nach acht Wochen machen wir sehr große Fortschritte. An manchen Tagen wird sie aber immer noch durch Dinge so verunsichert, dass sie sich in ihre Panik hineinsteigert und nicht mehr ansprechbar ist. Da Jack mittlerweile ein sehr gelassener Hund ist, hilft auch er ihr, Dinge ruhiger wahrzunehmen. Wir haben mit Sally einen langen Weg vor uns, doch wir sind uns sicher, dass auch sie zu einem tiefenentspannten Hund heranwachsen wird.

 

Eure Blanka.

Allgemein · Ausstattung für Tier und Mensch

Unterwegs.

Heute möchte ich euch unsere tägliche Basisausrüstung vorstellen. Für uns war es wirklich schwer das passende Geschirr für Jack zu finden. Sein Hals ist durch den Fellkranz sehr buschig, im Winter sogar extrem dicht bewachsen. Sein Kopf ist ebenfalls recht groß, jedoch sind seine Schulter und auch der Brustkorb sehr zierlich. Dies hatte zur Folge, dass die Geschirre entweder nicht über den Kopf passten, oder aber am Körper selbst auf kleinster Stufe wackelten und zu locker saßen.

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Ein Halsband kommt bei Jack überhaupt nicht in Frage. Da er sich häufig erschreckt, unter vielen Ängsten leidet und dann unkontrolliert handelt, kann er sich aus einem Halsband viel zu schnell heraus winden. Außerdem gehört Jack zu den ‚mit der Nase stark arbeitenden Hunden‘. Das heißt, dass er sehr viel schnüffelt, häufig in gebückter Haltung läuft, zum Ziehen neigt. Bei solchem Verhalten bietet sich für den Hund eher ein Geschirr, um Verspannungen in der Nacken- und Schultermuskulatur und Würgen zu vermeiden. Aber auch für mich als Halter ist die Führung mit einem Geschirr angenehmer. In Stresssituationen, in denen der Hund stark zieht, kann ich ihn mit einem Geschirr besser halten, ohne ihm weh zu tun.
Mit unserem Geschirr von NEEWA haben wir einen echten Glücksgriff gelandet. Zum einen ist mir Nachhaltigkeit sehr wichtig. Die NEEWA-Geschirre werden alle in Italien aus in Europa hergestellten Materialien angefertigt. Ihre Geschirre sind für Sport- und Arbeitshunde ausgelegt, was sich für meine Arbeit mit Jack sehr gut eignet. Auch für alle Besitzer, die mit ihrem Hund Fahrrad fahren oder Hundesport betreiben wollen, ist NEEWA sehr zu empfehlen. Wir haben unser Geschirr nun ein Jahr in Gebrauch und durch Jacks unsicheres Verhalten, vor allem im ersten halben Jahr, wurde es wirklich stark beansprucht. Wir waren damit in allen Gefilden unterwegs, selbst im Wasser. Ich habe das Geschirr bereits mehrfach gewaschen und dennoch hat es keinerlei Gebrauchsspuren. Die Nähte halten alle super und auch die Kunststoffteile sind ohne Verschleißspuren.

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Die Leine ist bei uns so eine Sache. Nicht, dass wir sie nicht mögen würden. Sie ist unser Freund, nicht Feind. (Zu diesem Thema werde ich noch einen ausführlichen Beitrag schreiben). Dennoch hatten wir mit unseren Leinen wirklich Pech. Selbst die teuersten Modelle sind bei uns nach kürzester Zeit kaputt gegangen. Die Scharniere haben leider bei keinem Modell der Belastung stand gehalten, dabei wiegt Jack gerade einmal 24,4 kg und gehört damit erst zu den mittelgroßen Hunden.
Derzeit schwören wir auf eine ‚No name‘-Leine von Aldi Nord der Marke BALDO. Sie hat gerade einmal 5,99€ gekostet und hält nun schon seit einem halben Jahr. Für die Herbst- und Winterzeit ist sie perfekt, da sie rundherum mit Reflektormaterial beschichtet ist. Außerdem liegt sie sehr weich in der Hand, schneidet nicht ein und gibt schön nach, da sie mit Hohlräumen geflochten ist. Die Scharniere halten bisher auch super.

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Als zusätzliches Gadget tragen wir eine Goodiebag bei uns. Für das Training ist sie einfach perfekt. Die Leckerlies finden dort genügend Platz und mit einer Zugbandtechnik kann man den Beutel lückenlos, auch mit einer Hand, zu ziehen. Man kann ihn entweder mit Hilfe des Karabiners an einer Gürtelschlaufe befestigen, oder wer es etwas fester sitzend haben möchte, kann ihn auch direkt an einem Gürtel anlegen, da unter dem Karabiner noch eine Gürtelschlaufe sitzt. Auch hier haben wir uns für eine vertrauensvolle Marke entschieden. Petlando stellt alle Produkte in Europa her. Ihre Produkte sind aus robustem, wasserabweisendem Stoff, welcher bei 30° waschbar ist.

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Außerdem haben wir immer unsere Hundepfeife dabei. Zu diesem Thema findet ihr hier einen ausführlichen Blogbeitrag.
Bei langen Wandertouren und natürlich im Sommer haben wir noch eine Trinkflasche für Jack dabei, diese stelle ich euch aber noch an einer anderen Stelle vor, da sie nicht zu unserer täglichen Ausrüstung gehört.

Habt ihr Fragen oder wollt etwas über eure Erfahrungen mit Hundeausrüstung erzählen? Dann lasst mir einen Kommentar da.

Eure Blanka.

 

Bei allen von mir genannten Produkten handelt es sich um selbst gekaufte Artikel. Ich habe mit keiner Firma einen Werbe- oder Koorperationsvertrag.

Allgemein · Hundeerziehung · Therapieansätze

Verstehen, vertrauen, lieben.

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Bei der Arbeit mit traumatisierten Hunden ist ein gestärktes Vertrauen auf beiden Seiten die wichtigste Grundlage. Zum einen muss das Tier zum Menschen Vertrauen fassen, aber auch der Mensch muss seinem Tier vertrauen. Man muss sich ruhig und gestärkt in seiner Persönlichkeit zeigen, die starke Konstante für das Tier darstellen. Traumatisierte Hunde benötigen einen Menschen, an dem sie sich orientieren können, der ihnen Ruhe vermittelt, auch in schwierigen und stressigen Situationen.

Vertrauen aufbauen.

Das hört sich erst einmal ganz einfach an, aber wie setzt man es um? Natürlich unterscheiden sich Methoden von Tier zu Tier, da jedes seine ganz individuelle Geschichte und einen eigenen Charakter hat. Dennoch gibt es Grundlagen, die das Zusammenleben erleichtern und überhaupt erst ermöglichen.
Viele Grundlagen, die man in der klassischen Hundeschule lernt, sind leider im Zusammenhang mit traumatisierten Hunden fehl am Platz. Ein Beispiel dafür, ist der Grundsatz, dass man sich Hunden nicht auf Augenhöhe nähern darf und immer über ihnen stehen muss. Dieses Verhalten ist richtig, wenn man Dominanzverhältnisse klärt, Kommandos übt oder man seinem Tier seine eigene Position ‚im Rudel‘ verdeutlichen will. Dieses Training kann mit traumatisierten Hunden allerdings erst nach mehreren Wochen des Zusammenlebens beginnen. Die Zusammenführung muss auf Augenhöhe statt finden und das Tier nähert sich dabei dem Menschen und nicht anders herum.
Beim ersten Zusammentreffen mit Jack, ging ich in die Hocke und wartete darauf, dass er sich mir nähert. Ich zeigte mich offen und herzlich, atmete tief und langsam, um ihm zu signalisieren, dass ich nicht Feind sondern Freund bin. Es ist wichtig, viel mit seinem Körper und seiner Atmung zu arbeiten. Nervosität oder mögliche Ängste sind bei solchen Hunden fehl am Platz. Jack war vor allem Männern gegenüber sehr ängstlich und verschlossen. Er versuchte sie zu verbellen, duckte sich, legte die Ohren an und ging stark bellend rückwärts, wenn sie sich ihm näherten. Dies ließ uns darauf schließen, dass er wohl von Männern misshandelt wurde. Mein Vater bildete seinen ersten Hund in der Polizeihundeschule aus und lehrte mir viele Grundlagen, die bei Jack super funktioniert haben. Denn auch dort wird das Hinhocken und den Hund auf sich zu kommen lassen angewendet, um Vertrauen aufzubauen. Polizisten suchen sich mit dieser Methode ihren Welpen aus. So machte er es auch mit Jack, als sie sich das erste Mal sahen. Als Papa merkte, welche Angst Jack plagte, hockte er sich hin und wartete. Als Jack auf ihn zu kam, begann mein Vater ihn an den Ohren zu kraulen, das beruhigt Hunde nämlich. Dies war die einzige Methode, die bei Jack funktionierte, um den Kontakt mit männlichen Personen überhaupt möglich zu machen.

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Ich vertraue meinem Hund.

Traumatisierten Hunden wird oft nachgesagt, dass sie sehr unberechenbar seien. Dies stimmt zwar, aber nur, wenn man sie nicht kennt. Deshalb ist es wichtig, sich sehr viel Zeit zu nehmen, seinen Hund zu studieren. Man muss seine Bewegungen, seine Reaktionen in und auswendig kennen, sie richtig deuten können, Ursachen entdecken um den Hund ganzheitlich verstehen zu können. Viele traumatisierte Hunde verlernen klassische Signale. Jack knurrt zum Beispiel in den meisten Fällen nicht, wenn er zeigen will, dass er Angst hat, oder ihm die Situation nicht gefällt. Er zeigt seine Zähne und rümpft dabei seine Nase. Solche Signale muss man deuten können, um Gefahrensituationen erkennen zu können, vor allem wenn man seinen Hund dann auch an andere Menschen heran führen will. Dafür muss man viel Zeit mit seinem Hund verbringen, ihn genau beobachten und Situationen testen. Man darf nicht alles meiden, nur, weil man einen traumatisierten Hund an der Leine hat. Wenn man Situationen meidet, bedeutet das, dass man unsicher ist. Diese Unsicherheit kann man dann wiederum auf den Hund übertragen und das wäre fatal. Deshalb muss man sich immer wieder neu hinterfragen. Fühle ich mich unsicher, wenn ich an eine Situation mit meinem Hund denke? Wenn ja, warum? Oft entstehen Unsicherheiten dann, wenn man seinen Hund noch nicht richtig einschätzen kann. Man sollte sich selbst und seinen Hund niemals überfordern, erwartet nicht zu viel von einander.

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Es braucht Empathie, Geduld und vor allem Zeit.

Mit Jack durften wir nichts überstürzen. Er war und ist immer noch in vielen Situationen sehr ängstlich. Man darf von einem ausgewachsenen Hund, der vieles erlebt hat und Jahre lang führungslos durch das Leben gelaufen ist, erst einmal nichts erwarten. Wenn der Hund Vertrauen gefasst hat, merkt, dass er sich orientieren kann, dass man in schwierigen Situationen an seiner Seite ist, diese für ihn regelt und übernimmt, dann unterwirft sich ein Hund freiwillig. Hunde haben es in ihrer Natur, dass sie einen ‚Leitwolf‘ suchen und geführt werden wollen. Sicher testen sie Grenzen aus und nicht jedes Kommando wird auf Anhieb klappen.
Jetzt, nach einem Jahr, sind wir in Sachen Verhalten und Erziehung auf einem guten Weg. Es wird aber sicher noch ein bis zwei Jahre dauern, bis Jack sich so verhält, dass wir alle entspannt und ohne Stress zusammen leben können. Dennoch haben wir im vergangenen Jahr riesige Schritte gemacht. Wie wir das geschafft haben? Ich habe mich geöffnet und ganz viel zugelassen. Ich habe keine Angst vor Tieren, denn Tiere sind von Grund auf friedlich. Sie greifen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen. Eine Methode war, dass ich meine Nase an seine gehalten hab. Dabei habe ich meine Augen nach unten gerichtet, ich war ruhig, entspannt und glücklich. Jack hat sofort meine Nase abgeleckt, was bedeutet, dass er mich ‚im Rudel‘ über sich positioniert. Auch leckt er gerne meine Hände, Füße oder Ohren. Auch das sind alles Zeichen der Unterwürfigkeit. In dem ich das alles zugelassen und nicht angewidert unterbunden habe, konnte ich ganz viel Vertrauen und Bindung zwischen uns aufbauen. Sobald ich mich in eine Richtung umdrehe, folgt mir Jack. Auch wenn er vor mir läuft, dreht er sich regelmäßig zu mir um. All das sind Zeichen dafür, dass er mich respektiert und er sich an mir orientiert.

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Unser Hund darf ins Bett.

Jack darf sich zu uns ins Bett legen. Denn er braucht Nähe und Wärme. Dennoch entscheide ich, wann er es darf und wie lange. Und da wären wir auch bei dem Punkt, der wohl genauso wichtig ist, wie Vertrauen: liebevolle Konsequenz. Es ist kein Geheimnis, dass Hundeerziehung und das Trainieren von Kommandos konsequente Ausführung benötigen. Aber auch traumatisierte Hunde benötigen Konsequenzen, denn nur so können sie sich orientieren. Warum schreibe ich auch? Nun, es ist natürlich so, dass man auf Hunde, die gequält wurden, anders eingehen muss. Es muss viel mehr vom Hund ausgehen, als vom Menschen. Man muss sehr empathisch und geduldig sein. Vielleicht erlaubt man ihnen eben auch mehr, so dass sie dann irgendwann im Bett landen. ABER, all dies funktioniert nicht ohne Grenzen. Grenzen zu setzen, bedeutet nicht, dass ich meinem Hund weh tue, dass ich ihn anschreie oder mit ihm schimpfe. Jack ist, sobald man die Stimme erhebt, sehr erschrocken. Er legt die Ohren an und weiß gar nicht, was los ist. Er bekommt Angst. Deshalb muss man eine andere Methode finden, denn wenn traumatisierte Hunde vor ihrem Menschen Angst bekommen, wirft man sich als Team zehn Schritte im Training zurück. Wie also machen wir das? Solange Jack etwas richtig macht, loben wir ihn, wenn es ein großer Fortschritt ist, sogar recht überschwänglich und so lange er dieses richtige Verhalten aufzeigt. Macht er etwas falsch, entscheidet er selbst, wie er sich verhalten möchte, sprechen wir ein klares, kräftiges ‚Nein.‘ aus. Wenn der Rückruf mit der Pfeife nicht klappt, sprechen wir ein kräftiges, scharfes ‚Jack!‘ aus. Bis sich diese Methode verankert hat, hat es fast ein Jahr gedauert.

Mit Ängsten umgehen.

Jack leidet unter großen Ängsten und Panikatacken. Besonders im Zusammenhang mit Feuer, Rauch, Zigaretten oder zu vielen Menschen. Am Wochenende sind wir abends während unserer Runde an einem Hof mit Lagerfeuer vorbei gegangen. Jack erstarte, gab einen Schrei von sich und zog sofort in Richtung zu Hause. Wichtig ist, ruhig und gelassen bleiben. Den Hund aus der Situation nehmen und ihn außerhalb des Gefahrenbereiches setzen lassen. Man darf sich nicht über den Hund ärgern, weil man die Runde nicht beenden konnte und deshalb vielleicht noch einmal mit ihm raus gehen muss. Man darf sich auch nicht ärgern, dass er einen schon wieder in eine anstrengende Situation versetzt. Ich versuche in ruhiger, entspannter Stimme auf Jack einzureden und nehme seine Leine ganz kurz, damit er sich geschützt fühlt und nicht unkontrolliert ziehen kann. Dabei ist es wichtig nicht auf die Angst des Hundes einzugehen, also er darf einem nicht leid tun oder man darf sich nicht sorgen. Wenn die Angst so groß ist, dass er sich überhaupt nicht beruhigen lässt, haben wir eine Technik erlernt, Jack zu tragen. Das zeige ich euch in einem anderen Post.

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‚Ich bin ein gequälter Hund‘ ist kein Freifahrschein für Fehlverhalten.

Bei aller Empathie und Geduld, die man mit traumatisierten Hunden haben muss, darf man sich dennoch nicht auf der Nase herum tanzen lassen. Hunde merken es sehr wohl, wenn man ihnen alles durchgehen lässt. Wenn man etwas als Fehlverhalten deutet, muss es dem Hund zwar ruhig, aber konsequent verdeutlichen. Nur so, kann man seinem Hund auf lange Sicht auch helfen. Denn ohne Grenzen kann ein Hund nicht glücklich leben. Er braucht Punkte, an denen er sich orientieren kann, die ihm Sicherheit und Halt geben. Wenn man Grenzen aufzeigt, stärkt mein seine eigene Position als ‚Leitwolf‘. Liebevolle Konsequenz ist das größte Geschenk, das man seinem Hund machen kann. Denn nur so, kann man eine respektvolle, entspannte Beziehung zu einander aufbauen und diese im Alltag auch bei schwierigen Situationen nutzen.

Habt ihr Fragen oder eigene Erfahrungsberichte? Dann lasst sie mir gerne da.

Eure Blanka.

Allgemein · Hund kommt zur Katze

Die Dame des Hauses

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Jacks kleine große Schwester hat bei uns die Hosen an. Katzi alias RŮŽENKA (was so viel bedeutet wie ‚Röschen‘) kam Ende Oktober 2014 mit vier Jahren zu uns. Auch sie stammt aus einem Tierschutzprogramm, allerdings aus dem meiner Heimatstadt Prag.

Meine Cousine päppelte für eben dieses Programm Katzen auf, unter ihnen war auch Katzi. Wir verliebten uns sofort in sie, da sie viel kleiner war, als alle anderen und das obwohl sie bereits ausgewachsen war. Meine Cousine beschrieb sie als sehr schüchtern und schwer vermittelbar aufgrund ihres blinden Auges. Sie sei auf der Straße geboren, vom Tierschutz aufgefunden und gechipt. Danach sei sie wieder entwischt und lebte mehrere Jahre auf der Straße, bis man sie von einem Auto angefahren auf der Straße fand. Deshalb ist sie auf einem Auge blind, da sie eine schwere Schädelverletzung erlitt. Doch bereits in der ersten Nacht, machte es sich Katzi an meinen Beinen gemütlich und schlief die ganze Nacht bei uns im Bett. Am nächsten Morgen war die Entscheidung gefallen: Wir holen Katzi zu uns.

Ein halbes Jahr mussten wir auf sie warten, bis sie reisebereit und bei uns alles vorbereitet war. Die erste gemeinsame Woche war sehr schwierig. Katzi versteckte sich den lieben langen Tag unter unserem Bett, ließ sich nur nachts für einige Minuten blicken. Als blutiger Katzenanfänger hatte ich schon Sorge, dass sie uns elendig verhungern würde. Doch eines abends traute sie sich dann endlich zu uns auf die Couch und lies sich streicheln.

Von Tag zu Tag wurde Katzi mutiger und selbstbewusster. Vorher lebte sie in einem Mehrkatzenhaushalt, allerdings bekam ihr das nicht sonderlich gut. Anfänglich hatte RŮŽENKA Angst vor fremden Besuchern, versteckte sich, sobald es klingelte und kam erst Stunden später hervor, nachdem der Besuch gegangen war. Mittlerweile stellt sie sich, wenn es läutet, wie ein Wachhund vor die Tür und fordert von fast jedem Besucher Streicheleinheiten ein. Da sie sich so gut entwickelt hatte, wussten wir, sie ist bereit für einen flauschigen Mitbewohner. Wie wir Jack und Katzi aneinander gewöhnten, erzähle ich euch an anderer Stelle.

Habt ihr spezielle Fragen zum Thema ‚Hund kommt zur Katze‘? Dann lasst sie mir gerne da und ich verarbeite sie in meinen nächsten Beitrag.

Eure Blanka.

 

Hundeerziehung

Die Hundepfeife – Unser Alltagsheld

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Der Rückruf eines Hundes ist selbst bei einem Junghund die Königsdisziplin in Sachen Hundeerziehung, vor allem im Notfall oder wenn der Hund beschäftigt beziehungsweise abgelenkt ist. Wie ist es aber bei einem erwachsenen Hund, dessen Erziehungsstand man nicht kennt?

Jack war fünf Jahre alt, als er zu uns gekommen ist. Davon hat er ca. zwei Jahre im Tierheim gelebt und vorher schätzungsweise ein bis zwei Jahre auf der Straße. Ob er vorher Erziehung genossen hat, die Vorbesitzer überfordert waren und er deshalb ausgesetzt wurde, wissen wir nicht.
Die Zeit im Tierheim ist eine Zeit ohne Erziehung. Auch wenn die Pfleger dort wirklich tolle Arbeit leisten und sich gerne um die Tiere kümmern, so fehlt ihnen für eine richtige Hundeerziehung einfach die Zeit. Die Tiere werden soweit es geht versorgt, aber nicht erzogen.

Der Rückruf gestaltet sich zu Beginn sehr schwierig. Denn ein gekonnter Rückruf basiert auf Vertrauen zwischen Tier und Mensch, sowie einer starken Bindung und geklärtem Dominanzverhältniss. Dass dies Zeit und Geduld erfordert ist natürlich klar. In ruhigem gesichertem Umfeld klappte der Befehl „bei Fuß“ bereits nach einigen Wochen. Allerdings hatten wir mit Jack das Problem, dass sein Bedürfnis nach Sozialkontakt mit anderen Hunden sehr groß war und er im Freilauf unkontrolliert auf andere Hunde zustürmte und dies durch wörtliche Kommandos nicht unterbinden ließ. Desweiteren hatten wir das Problem, dass er im Freilauf Menschen anbellte, die plötzlich unseren Weg kreuzten. Zum einen ist die Bellfreudigkeit eine Charaktereigenschaft des deutschen Spitz, allerdings entstand das Verbellen bei Jack aus einer Angst vor fremden Menschen. Dieses Problem haben wir bis heute. Das zu beheben kann noch einige Jahre dauern, wenn es überhaupt funktioniert.

An der Ostsee gestaltet sich ein vokaler Rückruf auch witterungsbedingt oft als sehr schwierig. Ab einer gewissen Windstärke dringt die Stimme nicht mehr zum Hund durch oder wird im schlimmsten Fall in die entgegengesetzte Richtung getragen. Deshalb entschieden wir uns für ein Training mit der Hundepfeife. Diese kann auf einen gewünschten Ton eingestellt werden. Dieses Training bietet sich auch an, wenn der Hund in einer Familie lebt, in der verschiedene Menschen mit ihm spazieren gehen. Bei uns gehen vier Personen Gassi, jedoch sind davon nur zwei für die Erziehung zuständig. Jeder Mensch hat eine andere Stimme, führt Kommandos anders aus oder kann und will nicht immer konsequent sein. Die Pfeife gibt immer denselben Ton ab. Dadurch funktioniert das Signal bei jeder Person. Der Hund wird nicht verwirrt, das Training erleichtert und konsequent beibehalten.

Wir haben das Training im Garten gestartet. Zunächst wurde der Doppelpfiff mit einem bereits bekannten Kommando kombiniert. Hat es geklappt, bekam Jack ein Leckerlie und wurde freudig gelobt. Dies wiederholten wir mehrmals täglich. Als nächste Steigerung kam hinzu, dass ich mich versteckte und den Hund zu mir piff. Später wurden noch Störfaktoren wie andere Bezugspersonen oder ein Telefonklingeln eingebaut. Klappte auch dies durchgehend, so wussten wir, dass das Kommando bereit für den Freilauf ist. Aber auch hier muss stätig geübt werden. Jeder Spaziergang ist bei uns auch ein Training. Zu beginn arbeiten wir immer mit Leckerlies, damit der Hund einen Anreiz hat zu arbeiten. Sobald das Kommando sitzt, wird die Leckerliekonditionierung Stück für Stück abgebaut, bis ein lobendes Wort und eine Streicheleinheit übrig bleiben.

Der vorteil der Hundepfeife ist, dass es sich hierbei um ein Störgeräusch für den Hund handelt. Es ist keine bekannte Stimme, sondern weckt immer wieder auf’s Neue seine Aufmerksamkeit. Natürlich gibt es keine Sicherheit, dass der Rückpfiff in jeder Situation funktionieren wird, jedoch klappt er so gut, dass er mir als Halter eine starke Sicherheit vermittelt. Dies wiederum übertrage ich auf den Hund. Da Hunde sehr empfänglich für Gefühle und Stimmungen sind, nutzen sie dies zum einen für sich, aber sie können Schwäche und Unsicherheit auch schnell ausnutzen. Die Pfeife hilft also, das Dominanzverhältnis aufrecht zu erhalten, da ich mich mit der Pfeife stark fühle, da ich weiß, dass ich Jack so besser kontrollieren kann.

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Der Freilauf mit Tierheimhunden ist ein schwieriges Thema, da es bis zu sechs Monaten dauert, bis man alle Verhaltensweisen eines Hundes kennt und auch danach kann dich das Tier immer wieder überraschen. Dennoch ist der Freilauf wichtig für das Tier, aber auch für uns als Halter, damit wir einen entspannten Alltag mit unserem Hund erleben können. Unsere Pfeife macht uns dies möglich.

Habt ihr Fragen oder eigene Erfahrungen? Dann lasst sie mir gerne da.

Eure Blanka.

Allgemein

Jack – Ein Hund voller Überraschungen

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Da ich mit Hunden aufgewachsen bin, war für mich immer klar, dass ich irgendwann einen eigenen Hund in mein Leben lassen würde. Einen Hund zu kaufen, kam dabei für mich nicht in Frage. Diese Entscheidung habe ich jedoch ganz bewusst getroffen, denn ein Hund aus dem Tierheim bringt viele Überraschungen mit sich.

Als ich Jack zum ersten Mal sah, stand er ganz entspannt im Gruppenauslauf des Tierheims. Alles bellte und sprang um ihn herum, nur er stand wie ein Fels in der Brandung. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die Mitarbeiter im Tierheim waren zunächst skeptisch, teilten uns mit, dass er fremden Menschen sehr ängstlich entgegentritt, sie verbellt, da er misshandelt aufgefunden wurde. Als die Pflegerin ihn brachte, rannte Jack auf mich zu, sprang an meine Brust und leckte mir das Gesicht. Alle Beteiligten waren ganz aus dem Häuschen. Spätestens jetzt wusste ich, dass wir für einander gemacht sind.

Eine Woche lang besuchten mein Mann und ich Jack im Tierheim. Dann durften wir ihn endlich mit nach Hause nehmen. Zu Hause wartete die Eingewöhnung mit unserer Katze und eine ganz neue Umgebung auf ihn, damals wohnten wir noch mitten in der Stadt. Die ersten sechs Monate lernten wir uns kennen. Immer wieder wurden wir durch Jacks Ängste oder sein Verhalten überrascht. Zu Hause war er von Anfang an der liebste Kuschelbär, nur fremde Besucher machten ihm Probleme. Lautstarkes Bellen gehört für uns immer noch zum Alltag, sobald Besuch kommt. Allerdings vertraut er uns mittlerweile so gut, dass er sich abrufen und uns die Situation übernehmen lässt. Auch Familienfeiern haben wir problemlos überstanden.

Draußen erwarteten uns jedoch noch ganz andere Sorgen und Probleme, auf die uns niemand vorbereiten konnte. Sparziergänge im Park, am Wochenende, bei vollem Betrieb? Unmöglich. Zigarettenrauch, Feuerwerkskörper, Rauchgeruch, Knallgeräusche – alles führte zu unkontrollierten Panikattacken. Heute sitzen wir gemeinsam im Restaurant und grillen im Garten. Solange er merkt, dass etwas durch seine Bezugspersonen verursacht wurde, hat er keine Angst. Fremde Umgebungen und die Stadt verursachen bei Jack bis heute wahnsinnigen Stress und manchmal überrascht ihn ein Panikanfall.

Für Jack ist es wichtig, dass er sich an seinen Personen orientieren kann. Er darf bei Angst und Stress nicht allein gelassen werden. Die Arbeit mit ihm erfordert sehr viel Geduld und Empathie. Für uns stand im Vordergrund eine feste Bindung zu ihm aufzubauen, damit er weiß, dass er uns auch im Notfall vertrauen kann, sodass er weiß, dass wir die Führung in für ihn schwierigen Situationen übernehmen.

Wenn ihr Fragen habt, dann lasst sie mir gerne da.

Eure Blanka